Herbstzeit…
Kaum neigt sich der Sommer dem Ende zu…
…
…fällt der Blick im Supermarkt unübersehbar auf weihnachtliche Vorfreuden:
mitten im Gang stolpert man unweigerlich über Sonderangebots-Regale, voll-
gepackt mit Dominosteinen, Weihnachtsbaumbehang aus Fondant, gefüllten
Lebkuchenherzen und Marzipan-Stollen.
Kurzärmelig bekleidet steht man bei spätsommerlichen Temperaturen um
die zwanzig Grad Celsius etwas fassungslos vor den verfrühten Leckereien,
der Kalender zeigt erst Anfang September.
Zwar stellt der Mensch fest, dass die Temperaturen des Nachts wieder eine etwas
wärmere Bettdecke erfordern und morgens eine leichte Strickjacke benötigt wird.
Doch dann der Schock: die Herrlichkeiten der kommenden Herbstzeit werden
von der Industrie regelrecht unter den Tisch gekehrt, noch bevor Kürbisse,
Sonnenblumen und niedliche kleine Stroh-Igel als herbstliche Dekorations-
artikel im Angebot der Geschäfte auftauchen, steht man unversehens vor
dem Regal mit Marzipankartoffeln und Co.
Doch eigentlich steht uns der Sinn nach Erntedank-Festen, Dahlien und Astern
im Garten, Brombeeren und Haselnüsse sammeln, rotes Weinlaub bestaunen,
die Saison der frischen Äpfel und Trauben genießen, aus reifen Bauernpflaumen
saftigen Zwetschgenkuchen backen, um ihn mit der Familie an warmen, aber nicht
mehr brütend heißen “Alt-Weiber-Sommer” – Nachmittagen auf der Terrasse mit
frischer Sahne zu verzehren.
An kühleren Abenden schmeckt eine würzige Kürbissuppe, vielleicht sogar
aus eigener Ernte, leicht mit Ingwer abgeschmeckt.
Der Kleingärtner sammelt einen Vorrat an selbstgezogenen Kräutern zum Trock-
nen, stellt vielleicht sogar den eigenen Haustee daraus zusammen, die Hausfrau
kocht Holunderbeeren, Obst und Gemüse ein.
Wer kleinere Kinder hat, macht sich eventuell schon erste Gedanken über das
anstehende Halloween-Fest, sammelt sicherlich Kastanien und Eicheln für
kleine Basteleien.
Wer das Glück hat, etwas weiter draußen im Grünen zu wohnen, kann auf Spazier-
gängen Eichhörnchen und Eichelhäher beobachten, die sich für den kommenden
Winter rüsten, aber die müssen ja auch beizeiten damit beginnen und die herbst-
liche Fülle der Natur nutzen. Aufgewühlte Erde weist an vielen Stellen, selbst
mitten in Siedlungen auf Wildschweinrudel hin.
Wir erahnen einen ersten Hauch von Herbst, ein leises, wehmütiges Gefühl von
“das war’s dann wohl bald für dieses Jahr” beschleicht uns – wir denken mit leich-
ten Unbehagen an den kommenden Winter – an frühe Dunkelheit, Eisglätte, Heiz-
kosten und den trüben, ungemütlichen langen November.
Umso mehr soll die Menschheit die ersten Herbsttage genießen, sich an der Zeit
der Ernte freuen, sich mit Körper und Seele auf die kalte Jahreszeit gemächlich
vorbereiten, das Füllhorn der Natur noch einmal so richtig auskosten - es sich
in den frühherbstlichen Sonnenstrahlen so richtig gut gehen lassen.
Doch der Handel stößt uns mit aller Macht auf sein größtes Geschäft des Jahres,
verwässert die schöne Jahreszeit der Ernte und des langsamen Abschiednehmens
vom Sommer mit seinem Diktat der Waren, die uns viel zu früh zum Kauf
locken und anreizen sollen – Nein, wir machen da nicht mit.
Wir gehen an den Regalen vorbei, die uns den Genuss einer wunderschönen Zeit
zunichtemachen wollen, nehmen die weihnachtlichen Leckereien erst war, wenn
ihre Zeit auch wirklich gekommen ist – und genießen erst einmal geruhsam die
herrliche Herbst-Zeit.
Beste Grüße und eine schöne Woche…
Die Frauen vom
Taffe-Frauen-Netzwerk.de











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